Geschichte

Dhulikhel – Nepal 

Wie kommt man als Handchirurg zum Operieren nach Nepal?

Schon während meines Studiums (Marburg und Freiburg) war ich mir sehr sicher, ein chirurgisches Fachgebiet anzustreben. Dass es die Handchirurgie werden würde, wusste ich damals nicht, wie kam es zu dieser Entscheidung?

Vielleicht während der anatomischen Präparierkurse?

Im ersten Kurs, 8 Studenten standen um eine formalinfixierte Leiche herum und mussten sich ein Körperteil aussuchen, welches sie in den nächsten 3-4 Wochen präparieren wollten, wählte ich mir damals Hand und Unterarm.

Zum nächsten Kurs kam ich etwas zu spät, bis auf Hand und Unterarm waren alle Körperteile vergeben, also konnte und musste ich meine Erfahrungen aus dem ersten Kurs intensivieren.

Man könnte nun mutmassen, dass ich der Einfachheit folgend bei diesem Fachgebiet geblieben bin.

Bereut habe ich diesen Entschluss ganz sicher nicht. Die Handchirurgie hat mich begleitet vom Beginn meiner chirurgischen Ausbildung an der Chirurgischen Universitätsklinik Freiburg im Jahre 1979, während meiner Tätigkeit als Leiter der Handchirurgie an der gleichen Klinik von 1986 bis 1992 und in der Zeit an unserer Praxisklinik im Stühlinger (Zentrum für ambulante Diagnostik und Chirurgie) von 1993 bis zum Beginn meines „Teilruhestandes“ ab Juli 2018. Im Juli 2018 habe ich meine Praxis abgegeben an meinen Nachfolger, Dr. med. Christoph Geiges. In reduziertem Maße arbeite ich weiter, 2 Wochen pro Monat biete ich Handchirugische Privatsprechstunden an und habe in dieser Zeit zwei OP-Tage.

Mit dem Eintritt in den „Teilruhestand“ begann ich zu überlegen, ob ich meine Erfahrungen der letzten 39 Jahre nicht Ländern der dritten Welt zu Gute kommen lassen könnte.

Seit 1997 bin ich Mitglied im RC Freiburg, dem „ältesten“ der drei Freiburger Clubs.

In „meinem“ Rotary Club (RC Freiburg) und durch das Rotary Journal bekam ich erste Informationen über den GRVD (German Rotary Volunteer Doctors e.V.) und bewarb mich hier um eine Mitgliedschaft.

Prof. Dr. med. Heiner Winker, ehemaliger Chefarzt für Unfallchirurgie in Erfurt und Mitglied des dortigen Rotary Clubs, machte mit mir in der gleichen Gruppe 1975 in Freiburg das medizinische Staatsexamen, danach trennten sich unsere Wege.

Heiner Winker fing nach Beendigung seiner Tätigkeit am Klinikum Erfurt an, sich mit dem GRVD um die Weiterentwicklung eines Krankenhauses in Dhulikhel/Nepal (ca. 30km östlich von Kathmandu) zu bemühen und war dort inzwischen 11 mal erfolgreich im Einsatz, zuletzt im Februar 2019.

Im Herbst 2018 nahm ich Kontakt mit dem GRVD und mit Heiner Winker auf, Rückfragen in Nepal ergaben, dass man an der Mitarbeit eines Handchirurgen interessiert sei, die Vorbereitungen konnten beginnen.

Was ist Dhulikhel?

Das Krankenhaus von Dhulikhel wurde gegründet durch Prof. Ram Shrestha (geb. in Dhulikhel, Studium der Medizin in Wien, Ausbildung zum Facharzt für Chirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch/Vorarlberg, verheiratet mit einer Österreicherin, 1 Tochter).

Nach Abschluss seiner Ausbildung kehrte Ram Shrestha nach Dhulikhel zurück und setzte seinen Plan, dort ein Krankenhaus zu bauen um.

Er baute die erste biologische Wasserkläranlage Nepals mit 70.000 Liter Reservoir.

Ein Grundstück für das Krankenhaus wurde ihm durch die Gemeinde und 22 Reisbauern, darunter seinen Vater (gegen eine Leibrente) zur Verfügung gestellt.

Im Dezember 1996 konnte das Krankenhaus eröffnet werden, es hat sich seither stetig entwickelt und gehört inzwischen zur Universität von Kathmandu.

Mein erster Aufenthalt in Dhulikhel ist geplant für November 2019, ich begleite Heiner Winker und kann von ihm als erfahrenen „Dhulikhel-Unfallchirurgen“ dort eingeführt werden.

Ich freue mich sehr auf diese gemeinsamen Wochen mit Heiner Winker.

Zum Abschluss des 3-4 wöchigen Aufenthaltes plant unser ältester Sohn Jakob nach Nepal zu kommen, um dort mit mir eine Woche zu wandern.

Der GRVD sammelt Spenden (finanziell und Materiell) zur Unterstützung „seiner“ Krankenhäuser in Ghana, Nepal und Indien.